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21.03.2016, 14:38 Uhr
Von Sorge um Europa geprägt
 Ahaus. Die Sorge um Europa stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Senioren Union im CDU-Stadtverband Ahaus in der vergangenen Woche im Saal der Gaststätte Möllers am Wall. Trotz der für Senioren ungewöhnlichen Tagungszeit am frühen Nachmittag zeigten sich die Teilnehmer beim Vortrag des Europaabgeordneten Dr. Markus Pieper hellwach.
Dr. Pieper bedauerte, dass er nicht wie früher schon mal euphorisch über das Projekt Europa berichten könne, seien doch in beinahe allen 28 Mitgliedstaaten Probleme aufgetaucht, die ein Funktionieren der großen Gemeinschaft behinderten, zumindest in Teilen beeinträchtigten. Das Streben nach gemeinsamem Handeln sei vielfach von einem Ringen um Durchsetzung nationaler Interessen verdrängt worden. Das habe sich nicht nur in der Finanzkrise gezeigt, sondern sei durch die Flüchtlingsprobleme mehr als deutlich geworden. Einzelne Länder setzten dabei deutlich auf nationalegoistische Lösungen und setzten damit die Einheit Europas aufs Spiel, wenn sie zur Aussperrung von Flüchtlingen sich gegeneinander abschotteten und ihre Grenzen schlössen.

Das würde auch negative Auswirkungen auf unsere Region haben, machte Pieper klar. „Wenn wir die Grenzen von heute auf morgen schließen und damit den freien Fluss der Waren blockieren, wäre das auch das Ende des Wirtschaftswunderlandes Münsterland“, warnte er. „Das wird die mittelständische Wirtschaft mit ihren Exportkontakten so nicht stemmen können.“ Die Wirtschaftskraft Europas würde deutlich einbrechen und Europa würde seine Bedeutung als internationaler Handelspartner in der Welt verlieren.

Der Flüchtlingsproblematik könne man sich so nicht einfach entledigen, schließlich habe sie auch für ganz Europa eine moralische Dimension; Hilfeleistung sei eine durch die Menschenrechte begründete Verpflichtung, der sich nicht nur Christen nicht entziehen könnten. Deshalb müsse „2016 ein Jahr des Zusammenraufens werden“. Da man nicht davon ausgehen könne, dass der Flüchtlingsstrom von selber versiege, seien nicht nur innerstaatliche und innereuropäische, sondern dringend auch internationale Lösungen gefragt.

Bei aller gebotenen Sorge, die er im Übrigen mit seinen Zuhörern in der anschließenden Diskussion teilte, zeigte sich Dr. Pieper doch vorsichtig optimistisch, dass gemeinsam erfolgreiche Wege gefunden würden.