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05.02.2007, 12:39 Uhr | Borkener Zeitung, Andresen
Fundiertes Fachwissen
Rhede (and). In Rhede zu reden, das ist nach acht Jahren Afrika eine Herausforderung. Professor Dr. Klaus Töpfer nahm sie auf Einladung des CDU-Kreisverbandes am Freitagabend im Rheder Rathaussaal dankend an und überzeugte die gut 200 Besucher nicht nur mit fundierter Fachkenntnis.
Foto: Borkener Zeitung, Andresen
Rhede - Seine rhetorische Frage beantwortete der 68-jährige Umweltexperte in seinem einstündigen Vortrag selbst: Haben wir nicht andere Probleme, als über Umweltpolitik zu reden?

Das Referat mit dem ursprünglichen Thema Bewahrung der Schöpfung und Überwindung der Armut weltweit grün oder konservativ passe taggenau zum in Paris veröffentlichten Weltklimabericht mit neuesten gravierenden Erkenntnissen, sagte CDU-Kreisvorsitzender Jens Spahn (Ahaus) zu den aus dem gesamten Kreis angereisten Gästen, darunter Bundestagsabgeordneter Johannes Röring (Vreden) und NRW-CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst (Rhede).

Elf Jahre war Töpfer unter Kanzler Helmut Kohl Minister (Umwelt und Bauen), von 1998 bis 2006 Chef des UN-Umweltprogramms der in Nairobi, einer Behörde mit 2500 Angestellten: Da habe er sich oft das deutsche Beamtentum zurückgewünscht, baute Töpfer, unter anderem Hochschullehrer in Shanghai (China), in Umweltfragen Berater der Regierung sowie in zahlreichen Fachorganen vertreten, heitere Elemente in seinen Vortrag ein.

Die Umweltpolitik erlebe eine massive Renaissance und stehe immer in Querverbindung zum Wirtschaftlichen, schnitt Töpfer den asiatischen Raum an: 1,4 Milliarden Chinesen und 1,2 Milliarden Inder wollten jetzt den Wohlstand, den die Deutschen hätten.

Und würden deshalb sagen: Die Luftverschmutzung ist euer Problem. Kenia beispielsweise sei ein Land wie auf einer Schaukel: Es pendele zwischen absoluter Trockenheit und Überschwemmungen.

Die Armut in der Welt müsse überwunden werden. Deshalb dürften die Pariser Aussagen nicht als Schockprognose angesehen, es müsse gegengesteuert werden wie etwa mit Solar-, Wärme-, Windkraft-, Wasserenergie und vielen anderen neuen Techniken. Natürlich auch mit erneuerbaren Energien. Jedes neue Eigenheim könne zum Energieförderer statt -forderer werden. Gerade für die CDU sei Klimaschutz eine besondere Herausforderung und Notwendigkeit.

Das habe nichts mit grün oder konservativ zu tun: "Haben wir nicht auch als CDU schon außerordentlich viel gemacht?", fragte Töpfer.

Der 68-Jährige zitierte die Bibel, in der man seiner Meinung nach öfter lesen sollte. Im Buch Genesis II sei schon die Umwelt beschrieben: Der Mensch soll den Garten Eden bebauen und bewahren, ließ der gebürtige Schlesier mit Wohnsitz im ostwestfälischen Höxter den Spruch auf den Lippen zergehen: "Bebauen und bewahren das ist für mich die beste Beschreibung für Nachhaltigkeit."

Jetzt fahre er nach Hause und freue sich auf die vor drei Tagen geborenen Enkel, den Zwillingen. Und plötzlich sei man in der Zukunft angelangt, sagte ein besorgter Klaus Töpfer: 2050 sind die Kinder 43 Jahre alt: "Wie wird dann unsere Welt aussehen?"