Augenärzte eingeladen

21.10.2019

 Zu einem Vortrag über das Thema „Der graue Star – Ursachen, Symptome und moderne Behandlungsmethoden“ hatte die Seniorenunion im CDU Stadtverband Ahaus die beiden Augenärzte Dr. Ralf Gerl und dr. Matthias Gerl in den Saal der Gaststätte Möllers am Wall eingeladen.

 
Nach der Begrüßung der Referenten und der erschienenen Zuhörer durch den Vorsitzenden Aloys Schmeing führte dr. Matthias Gerl ins Thema ein: Die Operation des Grauen Stars ist die am häufigsten durchgeführte Operation am  Auge.  In Deutschland gibt es pro Jahr ca. 600.000 solcher Operationen. Sie können ambulant durchgeführt werden und dauern in der Regel weniger als 30 Minuten.  Möglich ist dies in jedem Krankenhaus oder – wie in Ahaus - in der Praxis eines Augenarztes.

Nicht umsonst gilt der Graue Star als eine Alterskrankheit: 14 Prozent der Männer und 23,5 Prozent der Frauen im Alter von 65 bis 74 leiden darunter. Ab dem 75. Lebensjahr sind es bei den Männern sogar 38 Prozent und bei den Frauen jede zweite. Insgesamt sind neun von zehn Erkrankungsfälle altersbedingt. Es gibt keine Medikamente, die gegen den Grauen Star helfen.  Recht ausführlich erläuterte dr. Gerl die Entstehung und die Symptome der Linsentrübung..

Je nachdem, wie stark sich der Betroffene durch sie im Alltag beeinträchtigt fühlt, gibt es die Möglichkeit einer Operation mit örtlicher Betäubung. Dabei wird die Linse durch eine individuell angepasste, künstliche Linse ersetzt. Der Eingriff ist so unkompliziert, dass er in den meisten Fällen ambulant durchgeführt wird. Bei mehr als 90 Prozent der Patienten ist das Sehvermögen anschließend wesentlich besser. Nach der Operation des Grauen Stars verbleibt die künstliche Linse lebenslang im Auge. Sie muss also nicht irgendwann ausgetauscht werden.

Die Grauer Star-Operation ist eine der am häufigsten durchgeführten Operationen in Deutschland. Alle Operationsmethoden sind mit relativ geringem Aufwand verbunden. Auch die Risiken sind vergleichsweise gering.

Im Anschluss an sein Referat beantwortete dr. Matthias Gerl geduldig und ausführlich Fragen der Zuhörer.

Danach berichtete Dr. Ralf Gerl über sein ehrenamtliches augenärztliches Wirken in Afrika insbesondere in Uganda.

Der erste persönliche Kontakt zwischen Dr. Ralf Gerl und Dr. Nathan Kenya-mugisha, Direktor für medizinische Dienste im Gesundheitsministerium der Republik Uganda, kam 2010 zustande, als Kenya-mugisha die Augenklinik in Ahaus besuchte. Manfred Spirgatis, Inhaber der Firma HS Optikmaschinen in Rosendahl, hatte den Kontakt hergestellt.

In den folgenden Jahren  reisten Dr. Gerl, Spirgatis und  Fachkräfte der Augenklinik Ahaus mehrfach nach Uganda, um zu behandeln, ugandische Augenärzte in Operationstechniken zu schulen und Augenoptiker vor Ort  in der Kataraktchirurgie auszubilden. Dazu wurde ein Ausbildungsplan mit der medizinischen Fakultät der Universität Kampala vereinbart und dafür 20.000 Brillen und medizinische Messgeräte zur Verfügung gestellt, die hochwillkommen waren.

Im April 2013 erhielt das Team der Augenklinik vorübergehend vom Staat die ehemalige Polizeistation in Kasana zur Nutzung als Untersuchungs- und vorübergehenden Operationsraum. Mitarbeiter der Augenklinik Ahaus flogen nach Uganda, um das Gebäude für den nächsten Einsatz im Herbst 2013 vorzubereiten. Dr. Gerl spendete für erste Renovierungen 10.000 Euro.

Vom 26. Oktober bis 17. November 2013 reiste ein siebenköpfiges Team der Augenklinik Ahaus nach Kasana für den zweiten Einsatz. Dr. Gerl wurde wieder begleitet von Diplomingenieur Matthias Müller, der sich um die Technik kümmerte, erstmals von seinem Sohn und Augenarzt Matthias Gerl, dem Augenarzt Dr. Arash Zarkesh und  drei Operationsschwestern. Mitgenommen wurde ein hochwertiges medizinisches Mikroskop, dessen Ankauf gespendet worden war. Über 2500 Patienten wurden untersucht und behandelt. Im Sommer 2014 reiste Dr. Gerl ein weiteres  Mal nach Uganda zum Operieren, zur Behandlung und Schulung einheimischer Fachkräfte. Der Zustrom der Sehschwachen und Erblindeten während der Einsätze des Ahauser Teams um Dr. Gerl hat bewiesen, dass die Errichtung der Augenklinik in Kasana dringend notwendig war und sehr erfolgreich ist.

In 13 staatlichen Augenkliniken in Uganda praktizieren 32 einheimische Augenärzte. ihre Schulung in modernen Operationstechniken ist neben der Behandlung der Patienten das wichtigste Ziel von Dr. Gerl, seinem Team und der ugandischen Regierung.

Die bestehenden Augenkliniken in Masaka und Mulago sowie die geplante Augenklinik in Kasana sollen neue Ausbildungszentren für Augenoptiker werden. Die technische Ausrüstung dafür soll von  uHecA erworben werden. Die Ausbildung beinhaltet die Brillenglasbestimmung, die manuelle Herstellung von Brillen und die Brillenanpassung. So soll erreicht werden, dass ugandische Fachkräfte Patienten in den Distrikten Zentral-Ugandas selbst mit Sehhilfen versorgen können.

Dr. Gerl und sein Team werden auch in Zukunft Augenärzte und Operationsschwestern in Uganda schulen. So können diese zukünftig den grauen Star selbstständiger, sicherer und komplikationsärmer behandeln.

Der Bau der Augenklinik in Kasana ist ein wichtiger Baustein dieser Kampagne. Über 2000 Katarakt-Operationen könnten nach Fertigstellung der Augenklinik in Kasana jährlich durchgeführt werden. zusätzlich könnten 20.000 Patienten pro Jahr untersucht und konservativ versorgt werden. In jedem Jahr werden mindestens zwei Augenärzte der Makerere-Universität in Kampala in Katarakt-Chirurgie weitergebildet. Etwa 10.000 Patienten werden durch die Augenoptiker mit einer passenden Brille versorgt. Fünf Jahre nach Fertigstellung könnte das Projekt komplett in die Hände ugandischer Fachkräfte gelegt werden.

Diese Arbeit wäre nicht möglich ohne den ehrenamtlichen Einsatz des Teams der Ahauser Augenklinik unter der Leitung von Dr. Ralf Gerl und die finanzielle Unterstützung einer privaten Stiftung und vieler Spender, die auch für den nächsten Einsatz in 2020 dringend gebraucht werden.

Aloys Schmeing bedankte sich im Namen der dankbaren Zuhörer bei den Referenten mit kleinen Präsenten.